Deutscher Bundestag

Zum Berufsbildungsbericht des Bundesinstituts für Berufliche Bildung (BiBB), den Bildungsministerin Karliczek heute vorgestellt hat, erklärt Beate Walter-Rosenheimer, Sprecherin für Aus- und Weiterbildung der Grünen Bundestagsfraktion: 

"Same procedure as every year", so möchte man fast sagen, wenn es nicht so ernst und ernüchternd wäre: Wie auch schon in den vergangenen Jahren gibt es nicht genügend Ausbildungsplätze für die Jugendlichen, die ins Berufsleben starten wollen. Und noch immer stimmt das "Matching" nicht, "Angebot und Nachfrage" auf dem Ausbildungsmarkt passen häufig nicht zusammen. 

Um diesen Missständen zu begegnen, fordern wie eine umfassende gesetzliche Ausbildungsgarantie, die allen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zusichert, auch wenn das nicht im Betrieb, sondern überbetrieblich ist. Des Weiteren wollen wir flächendeckend ein kostengünstiges Azubiticket im Nahverkehr für bessere Mobilität. Um auch vor Ort Wohnraum für Auszubildende anzubieten, fordern wir Azubi-Wohnplätze, angelehnt an das Konzept von Studierendenwohnheimen. Durch diese Maßnahmen können auch im dualen Ausbildungsbereich ausbildungsplatzsuchende Jugendliche und ausbildungsplatzanbietende Betriebe zusammengebracht und regionale Passungsprobleme verringert werden. 

Neu im Bericht ist, dass Gesundheits- und Pflege- sowie Sozialberufe erstmals aufgeführt werden. Und hier offenbaren sich einmal mehr die Handlungsdefizite der Bundesbildungsministerin, den Fokus nicht dahin zu legen, wo es wirklich wichtig wäre. Obwohl diese Berufe rund ein Drittel der Ausbildungsmöglichkeiten ausmachen und hier der größte Fachkräftebedarf besteht, werden diese nur sehr unzureichend erwähnt. 

Hier hat Frau Karliczek wie so oft in der von ihr als so wichtig bezeichneten beruflichen Bildung wieder einmal die Zeichen der Zeit nicht erkannt, sondern überlässt alles seinem ungeregelten Gang. 

Wir Grüne wollen eine Wende in der Weiterbildungspolitik mit einem Rechtsanspruch auf Weiterbildung, höheren Zuschüssen für Weiterbildungskurse und eine breitere Palette von zertifizierten Weiterbildungen, die staatlich gefördert werden. Nur so kann dem Fachkräftebedarf in der digitalisierten Welt begegnet werden.

Beate Walter-Rosenheimer Bild