Deutscher Bundestag

Bildung, darin waren sich Beate Walter-Rosenheimer und Sylvia Löhrmann sofort einig, ist immer auch Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Diese Entwicklung braucht Zeit und Raum. Mit Stress, Druck und Sanktionen kommen wir hier keinen Schritt weiter. Die Voraussetzung für gutes Lernen ist Neugierde. Wer mit Spaß und Entdeckergeist bei der Sache ist, lernt viel leichter, kann eigene Interessen und Selbstvertrauen entwickeln und ist für die Herausforderungen des Lebens gut aufgestellt.

Wie dies für Kinder und Jugendliche aussehen kann, berichtete die grüne nordrheinwestfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann aus dem Westen der Republik. Gute Betreuung in Ganztagsschulen, Unterricht, der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt und ihre Stärken in den Vordergrund stellt, längeres gemeinsames Lernen statt frühem Aussortieren – dies sind nur einige wenige Beispiele aus der Praxis, die zeigen, wie schulische Bildung schon heute besser organisiert werden kann.

Lebenslanges Lernen für alle – die Grüne Weiterbildungsförderung macht´s möglich

Weil wir in einer Zeit leben, in der sich vieles rasant verändert, ist lebenslanges Lernen aber auch nach dem Schul- oder Berufsabschluss wichtiger denn je. Manche Menschen haben das Glück, dass sie an ihrem Arbeitsplatz die Chance bekommen, sich durch Fort- und Weiterbildungen fit zu halten und weiterzuentwickeln.

Wo die Unterstützung vom Betrieb aus fehlt oder wo sich völlig neue Interessen entwickeln, bleibt lebenslanges Lernen ein unerfüllter Wunsch. Zwischen Kita, Meeting und Haushalt finden viele Berufstätige weder die Zeit noch das nötige Geld. Das trifft manche härter als andere. Gutverdiener und Hochqualifizierte haben öfter Zugang zu betrieblichen Bildungsangeboten oder können die Kosten leichter selbst tragen. Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Geringqualifizierte, Frauen in typischen Frauenberufen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte – all diese Menschen bleiben hingegen oft vom lebenslangen Lernen ausgeschlossen. Weil sie viel seltener die Chance auf gute Bildungsangebote haben, schwächt das wiederum ihre Arbeitsmarktchancen, aber auch ihr Selbstbewusstsein und ihr Einkommen - ein Teufelskreis, den Grüne Politik mit einer gerechten Weiterbildungsförderung beenden möchte.

Beate Walter-Rosenheimer hat dies zum Anlass genommen, gemeinsam mit der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ein Modell für eine gerechte Weiterbildungsförderung zu entwickeln.

Denn klar ist: Wer neben Arbeit und Familie auch noch lernen möchte, braucht Zeit und Geld. Für die meisten ist beides Mangelware. Ziel der Weiterbildungsförderung ist es deshalb, dass in Zukunft alle, unabhängig von Einkommen und individueller Lebenssituation, die Chance auf gute Bildungsangebote, berufliche Entwicklung und die Freiheit für selbstbestimmte Entscheidungen erhalten. Egal ob alleinerziehende Mutter oder Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss, jede und jeder hat die Chance auf Aufstieg durch Bildung, Entdecken der eigenen Träume und Entwickeln der eigenen Fähigkeiten verdient. Mit der Weiterbildungsförderung, die wir gerade erarbeiten, möchten wir Türen öffnen, Potenziale entfalten und auch für Erwachsene echte (Bildungs-)Gerechtigkeit herstellen.

Die Grüne Weiterbildungsförderung soll einen Rechtsanspruch auf Arbeitszeitreduktion und finanzielle Förderung während einer Bildungsphase gewähren. Mit einem individuellen Mix aus Darlehen und Zuschuss werden sowohl die Kosten für die Bildungsmaßnahme als auch die Kosten für den Lebensunterbehalt finanziert. Ein Gesetz kann regeln, wer Anspruch auf diese Förderung erhält. Damit das am Ende fair ist und tatsächlich auch die profitieren, die es besonders brauchen, ist das Verhältnis von Zuschuss und Darlehen an Einkommen und Vermögen gekoppelt. Wer weniger hat, bekommt mehr und umgekehrt.

Beate Walter-Rosenheimer Bild