Deutscher Bundestag

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Keine andere Frage hat mich nachhaltiger durch mein Leben begleitet. Im Beruf, im Ehrenamt und bei privaten Verabredungen. Als ich mir mit meinem Mann die Sorgearbeit noch geteilt habe, waren wir eine kleine Sensation: Er kam ebenso oft in den Kindergarten oder auf den Spielplatz wie ich und eine gleiche Aufteilung von Haushalt und Kindern ist bis heute noch nicht selbstverständlich. Zu der Zeit wurde ich für die Antwort auf diese Frage oft beneidet und mein Mann sogar bewundert.

girl 3422711 1920Einsamkeit ist nicht erst seit Corona ein gesellschaftsrelevantes Thema. Großbritannien hat bereits 2018, lange vor der Pandemie und den isolierenden Infektionsschutzmaßnahmen, ein eigenes Ministerium gegen Einsamkeit eingerichtet. Dem voran gegangen war die erschreckende Erkenntnis, dass Einsamkeit das Ausmaß einer Epidemie angenommen hatte.

Während das BMFSJF, das Bundesfamilienministerium, Einsamkeit immer noch vor allem als Problem (hoch)betagter Menschen sieht, wissen wir doch längst, dass Einsamkeit kein Alter kennt.

Einsamkeit ist neben anderem auch das Gefühl, sich ausgeschlossen und nicht zugehörig zu fühlen und entspricht damit ziemlich genau dem Gefühl, das über 60% der Jugendlichen während der Corona-Pandemie beschreiben, wenn sie sagen, dass ihre Bedürfnisse nicht gesehen und ihre Stimmen nicht gehört werden. Dass sie sich von der Politik vergessen fühlen.

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Der Beginn dieser jetzt zur Neige gehenden Legislatur war für mich persönlich eine Zeit des Abschieds und der Trauer. Während die Regierungsbildung sich dahin zog, wir uns in der Fraktion einrichteten, Themen und Sprecher*innen und unseren neuen Fraktionsvorstand wählten, erkrankte eine meiner liebsten Freundinnen aus Kindertagen schwer und starb Anfang 2018. Wenige Monate später musste mich von einem mir sehr lieben langjährigen ehemals grünen Wegbegleiter und Freund verabschieden.

Meine Mutter wurde zusehends von ihrer Erkrankung aufgezehrt und auch sie musste ich schließlich wenige Wochen später gehen lassen. Die letzten Wochen hab ich sie gepflegt. Ich konnte bei ihr sitzen, ihr die wenigen Wünsche, die sie noch hatte, erfüllen, ihre Hand halten, mit ihr lachen. Ja, auch Sterbende lachen gern, freuen sich über gute Stimmung und es kann eine bereichernde Zeit für alle sein. Wenn die Schmerzen im Griff sind durch gute medizinische Versorgung.

Beate Walter-Rosenheimer Bild