Deutscher Bundestag

210323 handy gelbLiebe Freund*innen,

morgen ist LDK und wie toll stehen wir Grüne da?

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen es noch nicht hip oder auch nur akzeptabel war, grün zu wählen. Es gab mehr als eine Gelegenheit, zu der ich bei politischen Gesprächen in die Rolle gedrängt wurde, mich dafür rechtfertigen zu müssen, grün zu wählen oder zu sein.

Und heute? Der Atomausstieg ist beschlossen, Umweltschutz, Müllvermeidung und schonender Umgang mit Ressourcen sind längst nicht mehr mit trockenem Müsli und kratzenden Wollpullis assoziiert.

Wir setzen Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Akzeptanz und tragen unsere Ideale in die Gesellschaft. Und die Menschen bauen auf uns. Als starke Kraft für eine ökologische und gerechte Gesellschaft. Davon wagten viele von uns beim Parteieintritt nicht mal zu träumen.

mother 4807683 1920

Die wichtigsten Zahlen:
Jede 5. Familie ist eine Ein-Eltern-Familie, Tendenz steigend. Durchschnittlich 89% der Alleinerziehenden sind Frauen, je jünger die Kinder sind, desto mehr leben bei den Müttern.
Die Teilzeitquote ist mit 58% beinahe ebenso hoch wie die Erwerbsquote (61%). Alleinerziehende Mütter arbeiten im Schnitt dennoch etwa 5 Wochenstunden länger bezahlt als Mütter in Paarfamilien. Die Hälfte aller Alleinerziehenden bekommt keinen Unterhalt vom anderen Elternteil und ein Viertel nicht den, der der Familie zustehen würde. Während die ALG2 Bezugsquote bei Paarfamilien 7,3% beträgt, liegt sie bei Alleinerziehenden mehr als vier Mal so hoch bei 37,6%. Studien betitelt den Anteil der von Armut bedrohten Alleinerziehenden-Familien auf 68%. All das vor Corona.

kindergarten 504672 1920

Wie wäre ich eigentlich zurechtgekommen, wenn meine Eltern ganz woanders gelebt hätten, mein berufliches und ehrenamtliches Umfeld weniger grün und weit weniger unterstützend gewesen wäre und wenn ich als alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern eine Wohnung hätte finden müssen? Auf dem Mietmarkt konkurrieren Ein-Eltern- (und damit auch Ein-Einkommen)-Familien gerade in Metropolregionen und deren Speckgürteln mit „Double-Income, no Kids“-Haushalten und die Chancen sinken mit jedem weiteren Familienmitglied. Die wenigen noch verbliebenen Wohnungen mit Sozialbindung können den Bedarf bei weitem nicht auffangen und Genossenschaftsbeteiligungen sind rar und für Alleinerziehende in der Regel nicht zu stemmen. Gleichzeitig sind die guten Arbeitsplätze oft genau da, wo Wohnen ein Problem ist. In meinem Fall war das damals München.


Gerade die Corona-Krise zeigt deutlich, welchen Stress beengte Wohnsituationen auf Familien ausüben können und dass ein ruhiger Platz zum Arbeiten und Lernen ein Faktor des Bildungserfolges ist.

Beate Walter-Rosenheimer Bild