Deutscher Bundestag

Wie wäre ich eigentlich zurechtgekommen, wenn meine Eltern ganz woanders gelebt hätten, mein berufliches und ehrenamtliches Umfeld weniger grün und weit weniger unterstützend gewesen wäre und wenn ich als alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern eine Wohnung hätte finden müssen? Auf dem Mietmarkt konkurrieren Ein-Eltern- (und damit auch Ein-Einkommen)-Familien gerade in Metropolregionen und deren Speckgürteln mit „Double-Income, no Kids“-Haushalten und die Chancen sinken mit jedem weiteren Familienmitglied. Die wenigen noch verbliebenen Wohnungen mit Sozialbindung können den Bedarf bei weitem nicht auffangen und Genossenschaftsbeteiligungen sind rar und für Alleinerziehende in der Regel nicht zu stemmen. Gleichzeitig sind die guten Arbeitsplätze oft genau da, wo Wohnen ein Problem ist. In meinem Fall war das damals München.


Gerade die Corona-Krise zeigt deutlich, welchen Stress beengte Wohnsituationen auf Familien ausüben können und dass ein ruhiger Platz zum Arbeiten und Lernen ein Faktor des Bildungserfolges ist.


Vollzeitarbeit und Kinder gehen nur zusammen, wenn die Betreuung stimmt: Bezahlbar, flexibel und qualitativ hochwertig. Wenn die Familie nicht einspringen kann, ist die passende Kita oder der richtige Hort wie ein Lotto-Gewinn. Allerdings fressen die Kosten gerade bei mehreren Kindern schnell den Gehaltsunterschied zwischen Vollzeit und Teilzeit wieder auf oder es lohnt sich sogar, die Erwerbsarbeit zu Gunsten der Familienarbeit zu reduzieren. Alleinerziehende stecken in der Teilzeitfalle mit den bekannten Auswirkungen auf die Rentenanwartschaften.


Ein-Eltern-Familien rechnen mit spitzen Stiften. Dass sie dabei steuerlich weit schlechter behandelt werden wie verheiratete Paare, ist ein Skandal. Und mehr noch: Egal ob Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt, weil der andere Elternteil nicht zahlen will oder kann oder bei staatlichen Transferleistungen wird das Kindergeld immer voll angerechnet und kommt damit bei denen, die es am dringendsten brauchen gar nicht erst an.


Mit all diesem Sand im Getriebe wird aus einem tadellos laufenden Uhrwerk schnell ein erschöpfter Haufen loser Zahnräder.

BWR

Beate Walter-Rosenheimer Bild